Westgate | Köln

 

Westgate – der Name spielt auf die historische Bedeutung des Ortes an. Über die Achse Aachener Straße – Neumarkt – Dom mit der Hahnentorburg als Eintrittspforte zogen im Mittelalter Könige nach ihrer Krönung im Aachener Dom zum Reliquienschrein der Heiligen Drei Könige nach Köln.

Heute ziehen hier zwar keine gekrönten Häupter mehr entlang, aber an Bedeutsamkeit und Beliebt­heit hat der Platz nichts verloren: Er ist Schau- und Einkaufsmeile, Knotenpunkt und westlicher Zu­gang zur Stadt. Hier entstand ein Gebäude, an dessen Erscheinungsbild und Gebäudetechnik sehr hohe Ansprüche ge­stellt wurden. In enger Zusammenarbeit mit dem Bauherrn und den  Architekten war eine intelligente Interaktion von technischen Systemen und der Fassade möglich, so dass eine optimale energetische Bewirtschaftung des Hauses durch Umweltenergien erreicht werden konnte und die CO₂-Emissionen 53 % unter denen vergleichbarer Projekte liegen.

 

Besonderheiten der Technischen Gebäudeausstattung

Zum Heizen und Kühlen wird das Grundwasser genutzt. An den Heiz- und Kühlkreislauf wurden sechs gebäudeeigene Brunnen (25 m tief) angeschlossen. Im Sommer gibt das kaltgeförderte Grundwasser (ca. 12-14,5 °C) im Wärme­tauscher seine Temperatur an den Kühlungskreislauf ab. Das im Gebäude erwärmte Wasser wird über eine andere Brunnengruppe mit einer Temperatur von 17° C ins Grundwasser zurückge­leitet. Hier wird das durch natürliche Speicherung erhaltene wärmere Wasser im Winter gefördert, das dann seine Temperatur an den Heizkreislauf abgibt. Das deutlich abgekühlte Wasser wird in die Brunnengruppe zurückgeführt und gespeichert. Dank des Aquiferspeicherprinzips kann die geothermische Energie hocheffizient ausgenutzt werden. Der Einsatz dieses ökonomisch und ökologisch sinnvollen Systems reduziert den Primärenergieverbrauch um 32 % und senkt sowohl Energie- als auch Betriebskosten. Dafür wurde das Westgate mit dem EU-Green-Building-Zertifkat ausge­zeichnet.

 

Nachhaltig und trotzdem ästhetisch

Eine energetisch optimierte Fassade, bei der die Glasqualität hinsichtlich Lichtdurchlässigkeit und Wärmedurchlass ausbalanciert werden konnte, sorgt für zusätzliche Reduzierung des Primärenergiebedarfs. Diese ästhetische Fassade erfüllt zudem die energetischen Ansprüche an nachhaltiges Bauen und sorgt zudem für eine hohe  Tageslichtqualität.

 

Individuell, flexibel und behaglich

Die Ziele bei der Gestaltung der Büroräume waren, größtmögliche Flexibilität bei der Raumaufteilung zu erreichen und unterschiedliche Bürotypen auch nach Erstbezug zu ermöglichen. Daraus entstand der Anspruch an die Gebäudetechnik, fast unbemerkt zu bleiben und diese Flexibilität nicht zu beein­trächtigen. Die Räume wurden mit Heiz- und Kühldecken ausgestattet, die eine behagliche, für jeden Raum individuell regelbare  Flächentemperierung gewährleisten.

Die Be- und Entlüftung erfolgt mechanisch über Schlitz­auslässe im Deckenbereich und schafft bei geschlossenen Fenstern ein angenehmes, individuell regelbares Raumklima. Zu- und Abluftauslässe befinden sich in jeder Fensterachse, so dass eine flexible Trennwandstellung gewährleistet ist. Die Möglichkeit der natürlichen Lüftung ist zusätzlich gegeben. Vor den großen Fensterflächen befinden sich teilweise vorgelagerte Schallschutzscheiben, die bei Fensteröffnung kaum Außengeräusche in den Raum eindringen lassen.

Fotos: © Manos Meisen

Copyright 2016