Zeche Zollverein | Essen

 

Einst war sie die größte Zeche des Ruhrgebiets: Die Zeche Zollverein. Ihr Areal umfasste fünf Schachtanlagen, Anlagen unter Tage, Halden, eine  Kokerei, Verkehrsanlagen und Arbeitersiedlungen. In den 70er Jahren wurden in den Öfen der Zeche Zollverein täglich 10.000 t Kohle zu 8.600 t Koks verarbeitet und aus den daraus entstehenden Gasen Ammoniak, Rohbenzol und Teer gewon­nen. Sie war nicht in Bezug auf ihre Produktionskapazität eine Zeche der Superlative, sondern auch in puncto Architektur: Ihre Eigentümerin, die Vereinigten Stahlwerke AG, die als Europas größter Montankonzern galt, errichtete sie im Stil der Neuen Sachlichkeit, bei der eine strenge Symmetrie und Geometrie dominiert. Aber auch die „schönste Zeche der Welt“ musste wie fast alle Zechen im Ruhrgebiet ihren Betrieb einstellen. 1986 wurde hier die letzte Kohle gefördert und 2001 erfolgte ihre Aufnahme in das Welterbe der UNESCO. Heute steht sie als Symbol für die Industriekultur des vom Kohle- und Stahlzeitalter geprägten Ruhrgebiets.

2001 wurde mit der Sanierung der Hallen und Flächen begonnen. Dazu gehörte auch die Kohlen­wäsche, das größte Übertagegebäude Zollvereins, welches von 2003 bis 2006 vom Maschinenpark zum Museum umfassend umgebaut wurde. Dafür erhielt sie die „Auszeichnung guter Bauten 2006 des BDA Bund deutscher Architekten“.

Der Umbau der Kohlenwäsche umfasste die Sanierung und Restaurierung der Fassade und der Maschinen, aber selbstverständlich auch die Ausstattung mit moderner Technik und Versorgungseinrichtungen. Eine Gangway wurde angefügt –  eine 58 m lange, freistehende Roll­treppe, die direkt zu den Ausstellungsräumen des Besucher- und Informationszentrums und des Ruhr­­museums führt. Im Erdgeschoss befindet sich ein Werkstattraum und das Dachgeschoss wird gastronomisch genutzt. Die WINTER Ingenieure wurden mit der Planung der Technischen Gebäude­aus­rüstung beauftragt.

 

Technisches Konzept

Die Ausstellungs­flächen des Ruhrmuseums, insbesondere  die der Wechselausstellung, stellten aufgrund ihrer konservatorischen Ansprüche hohe Anforderungen an das Raumluftklima, welches durch Vollklimaanlagen in engen Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsgrenzen gehalten wird. Die Depotflächen der Ebene 0,0 erhielten ebenfalls eine spezielle Klimatisierung zur einwandfreien Erhaltung der Ausstellungsstücke. Zur Luftkanalführung konnten bereits bestehende, erhaltenswerte Einbauten genutzt werden. Die Luftmengen konnten auf den hygienisch notwendigen Bedarf außerhalb des Museums minimiert werden.

Zur optimalen Temperierung des Gebäudes wurden die Betondecken aktiviert sowie Strahlungs­kühlung und -heizung eingesetzt. Zur Kühlung wird außerdem das Prinzip der adiabaten Befeuchtung genutzt. Die technischen Anlagen konnten trotz hoher akustischer und Behaglichkeitsanforderungen äußerst platzsparend installiert werden.

Eine Herausforderung in Bezug auf den Brandschutz stellte die Stahlbaukonstruktion als Versamm­lungsstätte und ihre großen Brandabschnitte dar. Durch Kompensationsmaßnahmen wie Bauteil­kühlung durch Sprinkleranlagen, verdichteten Sprinklerschutz oder geschickt angeordnete Lüftungskanäle ist der Brandschutz gewährleistet – ohne dass massive Eingriffe in die Optik notwendig waren.

Quelle zur Geschichte Zollvereins: www.zollverein.de

Fotos: © WINTER Ingenieure

Copyright 2016