Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina | Halle

 

Seit 1878 hat die deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina ihren Sitz in Halle/Saale. 1652 in Schweinfurt gegründet, ist sie die älteste ununterbrochen existierende naturwissenschaftlich-medizinische Akademie der Welt. Namhafte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie über 30 Nobelpreisträger aus der ganzen Welt wurden zu ihren Mitgliedern ernannt. 2008 wurde die Leopoldina zur Nationalen Akademie der Wissenschaften ernannt. Seitdem nimmt sie die Aufgabe der Beratung von Politik und Gesellschaft zu aktuellen wissenschaftspolitischen Fragen wahr. Die Leopoldina vertritt die deutsche Wissenschaft außerdem in internationalen Akademiegremien.

Darüber hinaus unterhält die Leopoldina eine Bibliothek mit über 260.000 Bänden und ein Archiv mit Unterlagen aus mehr als 350 Jahren. Sie verleiht zudem Auszeichnungen und Preise. Alle wissen­schaftlichen Veranstaltungen stehen der interessierten Öffentlichkeit offen und werden in speziellen Heften publiziert.

Für den neuen Hauptsitz der Leopoldina wurde das geschichtsträchtige, ehemalige Tscherny­schewskij-Haus denkmalgerecht saniert und umgebaut. Eine große Herausforderung stellte dabei der enge Terminrahmen dar. Er sah für die Leistungsphasen 1-8 der technischen Gesamtplanung nur 23 Monate vor. Nach einer Bauzeit von etwas mehr als einem Jahr konnte das Gebäude im Januar 2012 bezogen werden.

Das Raumprogramm für die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes umfasste folgende Flächen: Verwaltungsnahe Büroräume, Personalcafeteria, Versammlungs-, Sitzungs-, Seminar- und Vortragsräume, Festsaal, Sanitärräume, Flure, Treppenhäuser und Foyer, Lager, Server- und Technikräume. Dafür mussten zunächst die vorhandenen Elektro-, Sanitär-, Heizungs- und Lüftungsanlagen demontiert werden.

 

Technisches Konzept

Die Planung der Technischen Gebäudeausrüstung stand unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit, der Funktionalität sowie der Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit. Dies bedeutete unter Berücksichtigung des Lebenszyklus den Einsatz langlebiger Materialien sowie energieeffizienter Anlagen zur Sicherung von niedrigen Unterhalts- und Betriebskosten. Unter einem hohen denkmalpflegerischen Anspruch entstand ein Gebäude, das mit geringen Wartungs- und ökonomischen Aufwand betrieben wird.

Die Beheizung des Gebäudes erfolgt durch Fernwärme, wobei der Primärenergiefaktor 0,065 % be­trägt. Die Anforderungen der ENEV für die Wärmeerzeugung werden bei der Fernwärmenutzung mit einem Anteil der Kraft-Wärme-Kopplung von 93,9% erfüllt.

Die Lüftungsgeräte mit Außenluftansaugung wurden mit Wärmerückgewinnung ausgestattet und dienen zur Abführung von Wärmelasten. Die Heizungsverteilung im Untergeschoss und in den Haus­technik­zentralen verfügt über einen 3fachen, die ELT-Räume über einem 6fachen Luftwechsel. Zur Sicherstellung des hygienischen Luftwechsels und der Grundlastabdeckung dient eine Teilklima­anlage. Im Bühnenbereich wird die Zuluft über Quellluftauslässe eingebracht und die Abluft im Deckenbereich über Lufteinlässe abgesaugt.

Aufgrund energetischer Betrachtungen wurden statt einer zentralen Kälteerzeugung für die einzelnen Bereiche autarke Kleinkälteanlagen vorgesehen. Die Nutzung der Geräte erfolgt im Sommer zur Kühlung und im Winter zur Beheizung sowie zur Kühlung, welche im Splittsystem mit Direktverdampfer und Verflüssiger erfolgt.

Der Festsaal und der Hörsaal wurden mit Medientechnik (Beschallungstechnik / Multimedia) bestehend aus Zentrale, Einbaulautsprecher, Anschlussmöglichkeiten von beweglicher Veranstal­tungstechnik sowie jeweils einem Beamer ausgerüstet.

 

Bühnentechnische Ausstattung des Festsaals

Zur Frontbeschallung des mit schallharten Flächen ausgestatteten Festsaals wurden aktive DSP-gesteuerte Zeilenlautsprecher integriert, die aufgrund einer speziellen Charakteristik dafür sorgen, dass weniger Reflektionen entstehen und somit die Sprachverständlichkeit deutlich erhöht wird. Unterstützt werden die Frontlautsprecher von Delay-Lautsprechern in der Mitte des Festsaals, die zeitlich verzögert angesteuert werden. Die Redner können mit drahtlosen Mikrofonen (Hand- oder Ansteckmikrofonen) ausgestattet werden. Für Podiumsdiskussionen o. A. können Tischsprechstellen, welche kabelgebunden in die Anlage integriert sind, genutzt werden.

Im Bühnenbereich sind drei Bodentanks eingelassen, die den Anschluss der Tischsprechstellen, Laptops und anderen Quellen ermöglichen. Im Wandbereich wurden Wandanschlussfelder eingerichtet, die den Anschluss von zusätzlichen Mikrofonen ermöglichen und Audioausgänge für das Aufzeichnen von Audiosignalen anbieten.

Der Einsatz einer Mediensteuerung für die komplexe Medientechnik erforderte die Abfolge von Bedienungsschritten. Eine entsprechend programmierte Elektronik sorgt dafür, dass all diese Schritte mit der Mediensteuerung zusammengefasst und auf einen Knopfdruck des Nutzers ausgeführt werden können. Eine übersichtlich gestaltete graphische Oberfläche ermöglicht eine einfach verständliche Handhabung auch durch technische Laien. Alle Komponenten sind über eine Kreuz­schiene miteinander vernetzt. Ein Touchpaneel bildet die grafische Benutzerschnittstelle. Die Haustechnik, die Lichtsteuerung, die Verdunkelungsanlagen und ähnliches können über eine EIB-Bus Schnittstelle direkt in die Mediensteuerung integriert werden.

Größere und technisch aufwendigere Veranstaltungen werden von der Regie aus technisch begleitet. Der Techniker hat eine direkte Sichtverbindung zum Festsaal. Ein 16-Kanal-Audiomischpult gewähr­leistet dem Techniker die gesamte Kontrolle über die Mikrofone. Sämtliche Zuspieler, Videokonfe­renzanlage, Medien-PC befinden sich in den seitlich angeordneten Gestellen und können vom Techniker direkt bedient werden. Über ein Touchpaneel der Mediensteuerung kann der Techniker die Medientechnik ebenfalls komfortabel bedienen.

Für den Vortragssaal wurde eine 5 m breite, elektrische Leinwand installiert, die optisch in die Decke integriert wurde. Der Projektor verfügt eine Lichtstärke von 6000 Ansi Lumen und ermöglicht eine Projektion im 16/10 Format.

  großes Foto oben: © WINTER Ingenieure

Fotos Galerie: © Leopoldina/Markus Scholz

Copyright 2016