Max-Rubner-Haus am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin | Berlin

 

Seit 1992 betreibt das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) im Norden Berlins biomedizinische Grundlagenforschung, insbesondere auf den Gebieten Neurowissen­schaften, Physiologie und Genetik sowie Zellwachstum und Systembiologie. Als Großforschungseinrichtung des Bundes innerhalb der Helmholtz-Gemeinschaft arbeiten die Wissenschaftler und Mitarbeiter des MDC eng mit den Berliner Universitäten und der Charité zusammen. Besonders wichtig bei dieser Zusammenarbeit ist die zügige Weitergabe von Forschungsergebnissen in die klinische Anwendungspraxis, damit Diagnose, Prävention und Therapie verschiedener Krankheiten verbessert werden können. Um die Vorgänge zu fördern und zu beschleunigen, wurde das Max-Rubner-Haus ins Leben gerufen und im Herbst 2012 fertigstellt.

Genutzt wird es von verschiedenen Forschungsteams. Für deren unterschiedliche Anforderungen erfolgte die Grundrissgestaltung in baulicher und versorgungstechnischer Hinsicht sehr flexibel. Die Nutzung des Gebäudes umfasst biologische, nasschemische und physikalische Labore mit dazugehörigen Labornebenräumen und Lagerflächen. Alle Laborflächen, mit Ausnahme der chemischen Labore, wurden baulich im Standard als Labore für biologische Arbeiten gemäß Schutzklasse 2 nach GenTV vorgerüstet. Die angrenzenden Labornebenflächen wurden ebenfalls im Standard S 2 gemäß GenTV geplant.

Die Labor- und Auswertezonen sind räumlich durch Glastrennwände mit der Tiefe der Arbeitsflächen gegliedert. Für ungestörtes Arbeiten werden Räume in großen Laboreinheiten angeboten. Die Räume sind allseitig umschlossen und werden getrennt be- und entlüftet. Neben der Funktion als Denkzelle können diese Räume als Geräteräume genutzt werden. Somit lassen sich lärmintensive Geräte aus der Laborzone ausgliedern und sorgen für einen niedrigen Schallpegel in den Laborzonen. Als Sonderfläche wurden Isotopenlabore (Schutzklasse 2 nach DIN 25 425) eingerichtet.

 

 

Herausforderung Energiekonzept

Ein nachhaltiges Energiekonzept für ein Laborgebäude zu entwickeln, stellte eine enorme Herausforderung dar. Der Energieverbrauch in Laborgebäuden wird hauptsächlich durch den Luftwechsel und die inneren Lasten bestimmt. So wurden im gesamten Planungs- und Ausführungsprozess die energieintensiven Prozesse mit dem Bauherrn optimiert.

Das Versorgungskonzept umfasst die Grundbeheizung des Gebäudes mit Fernwärme. Zur Kälteversorgung, dienen hierbei separate Kältemaschinen mit integrierter Freikühleinrichtung. Bei der Planung und Ausführung wurde das Hauptaugenmerk auf die höchste Effizienz der Kälteerzeugung gelegt. So kommen zwei Kältemaschinen mit drehzahlgeregelten Radialturboverdichtern zum Einsatz. Die Gesamtleistung beträgt 1,4MW. Diese Kältemaschinen zeichnen sich auch im Teillastbereich durch eine hohe Energieeffizienz aus. Über die Gebäudeversorgung hinaus erfolgt aus dem Gebäude auch die Versorgung des umliegenden Campus mit Nahwärme und Nahkälte. Die notwendigen Heiz- und Kältetrassen zur Anbindung der Nebengebäude wurden mitausgeführt.

 

Wärmerückgewinnung und Reduktion der Energiekosten

Die RLT-Anlagen sind mit Wärmerückgewinnung mit hoher Rückwärmezahl (Wirkungsgrad) ausgestattet. Die bedarfsgeführte Lüftung reduziert die Energiekosten auf ein Minimum. Dabei wurde jede Laborzelle mit variablen Volumenstromreglern in Laborausführung ausgerüstet. Der Absenk- oder Normalbetrieb wird mittels Präsenzmeldern über die Gebäudeautomation gesteuert und als reale Rückmeldung der Ist-Betriebszustand protokolliert (Volumenstrom).

Die technische Konzeption mit standardisierten Anschlusspunkten in den Laboren ermöglicht bei Nutzungsänderungen den schnellen Umbau bei geringem Aufwand. So wurden in allen Laborzeilen Trink-, Abwasser- Kaltwasser- und Medienanschlüsse (Druckluft und technische Gase) vorgesehen. Das Atrium mit angrenzenden Räumen wurde mit einer Hochdruckwassernebel-Löschanlage ausgerüstet. Dieses sehr wirkungsvolle System kontrolliert, unterdrückt und löscht Brände, indem es mit hoher Geschwindigkeit einen feinen Wassernebel auslöst. Das Risiko eines  Wasserschadens wird dadurch sehr stark reduziert.

Die Stromversorgung des Gebäudes erfolgt über eine eigene Mittelspannungsstation mit zwei Transformatoren. Für spätere Erweiterungen sind die Transformatoren für Querstromlüfterbetrieb und somit eine Leistungssteigerung um 20% ausgelegt. Zur Erhöhung der Versorgungssicherheit ist die Mittelspannungsanlage an die Ringeinspeisung des Campus angebunden. Zur Sicherstellung der Versorgung während eines Stromausfalls ist das Gebäude mit einer Netzersatzanlage ausgerüstet, aus der dann die Notkühlung bzw. die Löschanlage versorgt wird. Aus dieser Anlage erfolgt auch die Stromversorgung der USV-Anlagen der Fernmeldetechnik.

Das gesamte Gebäude einschließlich aller Laborarbeitsplätze ist mit einem strukturierten Kabelnetz in Kat.7-Qualität und LWL-Backbone ausgestattet. Über dieses Netz wird zusätzlich zur IT auch die Telefonie in VoIP übertragen. Zur Sicherstellung der Notruffunktionalität erfolgt eine USV-Versorgung sämtlicher aktiven Komponenten sowie der PoE-versorgten VoIP-Komponenten. Das Gebäudeleitsystem (GLT-System) bietet ein Optimum an Betriebssicherheit, Produktivität und Kosteneinsparung. Die Systemarchitektur ist flexibel im Einsatz für unterschiedliche Anwendungen in der Gebäudeautomatisation. Die Systemarchitektur und Software ist modular und erlaubt eine klare Trennung von Funktionen und Diensten.

Fotos: © Werner Huthmacher/ David Ausserhofer/ MDC / Horst Krüger, Berlin

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